Am Hoanib

Langsam wird es Zeit in Richtung Norden abzubiegen und die Komfortzone Namibia zu verlassen. Wer schon Mal hier war weiß es: Namibia ist ein wunderschönes Land für große und kleine Abenteuer, und genauso wie man hier die Einsamkeit in großartiger Landschaft erleben kann, gibt es komfortable Campsites, es gibt beste Restaurants, Supermärkte mit wirklich allem und es gibt die Annehmlichkeiten einer touristischen Infrastruktur hinter deren Fassade vieles verschwindet: Townships, Armut, bettelnde Kinder und ein unfassbares Gefälle zwischen Arm und Reich. Wir wissen, dass diese Fassade bald fallen wir und das was dahinter sichtbar wird uns mehr beschäftigen wird als in Namibia.

Namibia macht es uns jedenfalls auch leicht uns wieder in das Leben auf der Straße einzugrooven, uns gegenseitig daran zu gewöhnen uns von morgens bis abends zu begegnen, auf zwei Quadratmetern alles zu finden was der jeweils andere als das richtige Plätzchen definiert, und jeden Tag höchstens bis zum nächsten Tag zu planen wie es weiter geht. Was noch nicht so gut klappt ist die richtige Geschwindigkeit zu finden in der wir unterwegs sind. Es fühlt sich immer noch irgendwie nach „Jahresurlaub“ an, wir hetzen und bremsen gleichzeitig je nach Tagesform.

Nachdem uns der Tankwart zuletzt danach gefragt hat, ob wir im Honeymoon sind, haben wir nochmal nachgezählt: wir waren schon sechsmal hier und zum ersten Mal tatsächlich auf unserer Hochzeitsreise 2008. Damals – noch völlig naiv – haben wir davon geträumt irgendwann einmal mit dem eigenen Auto Afrika zu entdecken. Ebenfalls völlig naiv sollte es ein Unimog werden, der erste Plan stand:

Heute werden alte Träume wahr: wir sind wirklich hier, es ist ein Toyota geworden und wir haben unseren 18. Hochzeitstag. Wir finden, das ist ein guter Grund die letzte Schampusflasche von zuhause zu köpfen und uns das zu sagen, was auf unserer gemeinsamen Reise seit 25 Jahren durchgetragen hat. Zum Frühstück gab es selbstgemachtes:

Namibia ist natürlich auch Toyota-Land: ein Paradies für jedes erdenkliche Zubehör und den inneren Schweinehund der alles haben will. An jeder Ecke gibt es Toyota-Werkstätten und anders als zu Hause wo ich alles selber machen muss, weil der Obelix dort ein Exot ist. Hier kann man beruhigt „machen lassen“. Das ist gut und schlecht zugleich: wir müssen mit unserer Weiterfahrt in Richtung Angola erst einmal in Windhoek warten bis unsere vordere Kardanwelle repariert, abgedichtet und neu gewuchtet ist.

Dann geht es los, wir treffen uns noch einmal mit Martina und Walter in Palmwag und fahren durch die Palmwag Concession und das Trockenflussbett des Hoanib. Unfassbar schön und einen Vlog wert:

Das Wetter: gerade haben wir die Eisheiligen der südlichen Hemisphäre hinter uns: tagsüber brennt die Sonne, nachts fallen die Temperaturen auf bis zu 6° C. Geht die Sonne unter wird es zapfig kalt und wir müssen rein. Mit den ersten Sonnenstrahlen sehen wir uns draußen wieder, wenn es schnell wieder warm wird – ein Leben wie ein Huhn (in Freilandhaltung).

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