Wir fahren wieder!

Nach unserem Spaziergang durch Futaleufú lernen wir in dem Garten in dem wir campieren dürfen Coco kennen. Coco ist Argentinier, wohnt in Bariloche, mag unseren Obelix und macht Urlaub in Chile. Einer inneren Stimme folgend notiere ich mir seine Telefonnummer, wir sind auf dem Weg nach Bariloche und: „you never know“, manchmal braucht man solche Kontakte. Wie sehr das diesmal zutrifft….

Den Grenzübergang nach Argentinien meistern wir mit links, es gibt keine Lebensmittelkontrollen und wir starten durch in das Chubut-Tal immer am gleichnamigen Fluss entlang. Das liegt nicht auf der Strecke, und schon deshalb reizt es uns. Wir finden Landschaften wie aus dem Bilderbuch, wandern durch eine Schlucht die bei Freikletterern sehr beliebt ist und fragen uns wie solche Formationen entstehen. Und was sollen wir sagen: am besten nichts, hier ein Vlog dazu:

Während der Film läuft, hier vielleicht ein kleiner Ausflug in unseren sonstigen Alltag: wenn sich nichts wesentliches geändert hat, läuft es zuhause doch im wesentlichen so: man macht sich eine Menge Arbeit unter der Woche um seine Brötchen zu verdienen und macht dann in seiner Freizeit noch die Arbeit für die Leute, die wiederrum mit unserem Ersparten ihre Brötchen verdienen. Man geht zum Beispiel tanken, also selber: man zieht sich Dieselhandschuhe an und macht den Job der Leute die das Zeug verkaufen. Hier ist alles ziemlich 1980. Man muss z.B. gar nicht selber tanken. Das macht hier ein Tankwart. Man reicht den Schlüssel raus, sagt was man will, bekommt die Scheiben geputzt und bezahlt im Sitzen. Das geht ratzfatz, man muss nicht anderen beim Tanken zuschauen und findet sich beim Bezahlen nicht in der Schlange der Kasse einer Bäckerei und/oder einem Supermarkt wieder – Toll!

Was uns in Argentinien nicht so gut gefällt, ist die Geldbeschaffung. Wir haben zum einen Probleme mit dem ständig sinkenden Wechselkurs, zum anderen gibt es nicht immer welches an den Automaten. Wenn doch, dann zu horrenden Gebühren. Meistens gibt es maximal 2.000 ARS (ganz grob 30,- €) zu einer Gebühr von 600 ARS (9 €), das macht nicht wirklich Spaß und noch weniger Sinn. Wir sind also dazu übergegangen uns per Geldtransfer mit Western Union Geld zu besorgen, das macht wiederum richtig Spaß, da allein der Wechselkurs fast 25 % über dem der Banken liegt. Das klingt nach einem Märchen, aber wir haben es jetzt zweimal probiert und könnten im Prinzip damit unsere Reise finanzieren, aber wir wollen ja weiter.

Und das machen wir auch, in Richtung Bariloche. Vorher nochmal ein Sidekick: Eigentlich fahren wir nur ausnahmsweise Asphaltstraßen. Das liegt daran, dass es in Patagonien nicht so viele davon gibt, aber auch an unseren Zielen. Der erfahrene Overlander weiß, dass Schotterpisten, je nach Pflege, Belastung, Wetter und Untergrund sich irgendwann in Wellblechpisten verwandeln. Die Beschreibungen dazu sind legendär unter Reisenden ebenso wie die Theorien dazu, wie man fahrtechnisch richtig oder falsch darauf reagiert. Und natürlich ist das auch wissenschaftlich untersucht worden, wer mag kann es hier nachlesen Link.

Allen Theorien ist eines gemein: es ist nervenaufreibend, laut und tut allen Beteiligten nicht gut. Das südamerikanische Wellblech heißt „Ripio“ und unterscheidet sich von dem uns bekannten afrikanischen Wellblech durch die unerbittliche Härte auf dem meist felsigen Untergrund. Was in Afrika auf Sandpisten schon unangenehm ist, ist hier unerträglich und fordert Mensch und Maschine um ein Vielfaches mehr. Zum Beispiel einmal wieder unseren Zusatztank. Irgendwo auf dem Weg nach Bariloche ist ein Halter von fünf gebrochen und damit sind nach und nach alle kollabiert. Der Tank hing lose zwischen dem Rahmen und hat stark geleckt – das ist nicht gut bei Benzin und bei einem Kontrollgang unter dem Auto ist mir angst und bange geworden. Wir sind 150 km vor Bariloche und können den Tank zumindest provisorisch sichern. Und: Coco anrufen mit der Frage wer uns helfen kann.

Killer-Ripio

Ich mag das jetzt nicht in die Länge ziehen, hier sollen eigentlich Reiseberichte erscheinen, aber die ganze Aktion hat uns 5 Tage in Bariloche gebunden, weil sich niemand finden wollte, der den Tank ausbaut und schweißt. Am Ende lagen Coco und ich unter dem Auto, haben alles demontiert und einem Schweißer gegeben, dessen Hof wir nutzen durften. Wir fahren wieder!

In Bariloche treffen wir auch Geeske und Steven wieder, die mit uns auf der Kreuzfahrt von Hamburg nach Montevideo waren. 4 lange Nächte informieren wir uns über die Erlebnisse der letzten 5 Monate und da wir jeweils in entgegengesetzter Richtung reisen über alle „must do’s“ der Dinge die vor uns liegen. Das motiviert uns wieder mal etwas Strecke zu machen, nächstes Ziel: Mendoza mit seinen Weingütern und weiter nördlich das Altiplano mit Vulkanen und Pässen die uns wieder den Atem rauben werden – im Wortsinn!

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