Die Landgang!

Logbuch der „Grande San Paolo“ vom 24.08.2019

  • Geschwindigkeit 0,0 kn
  • Position S20°16.457‘/W040°20.699‘
  • Landgang in Vitoria/Brasil
  • Stimmung: nervös. Das Briefing durch den 1.Offizier für alle administrativen Dinge die zu beachten sind ist eindringlich! Jeder Satz beginnt mit „You have to….“

Im Gänsemarsch geht es durch den Maschinenpark des Hafens zum Main-Gate. Der Kapitän hat uns zwei Taxis für jeweils 20 US$ organisiert, die uns in die Stadt bringen. Zurück fahren wir für umgerechnet 6 €. Vitoria hat leider geschlossen am Samstagnachmittag, aber wir genießen den Hofgang. Es gibt ein paar schöne Plätze und Parks (mit WLAN – Yes!!!), ein Lunch in einem netten Lokal mit Buffet und das erste brasilianische Bier, serviert in der Dose und einem passenden Styropor-Kühler. Das sehe ich nun öfter und ich beschließe, mir auch so was kaufen, wiegt nichts, ist praktisch und schließt die Lücke zu den Weintrinkern und deren Zeremonien.

Sorry, wir können über Vitoria nichts Ausschweifendes berichten. Vitoria wird uns in Erinnerung bleiben, weil wir über zwei Wochen darauf hin gefiebert haben dort an Land zu können. Wir konnten endlich unsere Handys aus der Versenkung holen und für 5 Stunden der Geräuschkulisse unseres Schiffsdiesels entfliehen.


Logbuch der „Grande San Paolo“ vom 25.08.2019:

  • Geschwindigkeit 0,0 kn
  • Position S22°53.804‘/W043°10.217‘
  • Landgang in Rio de Janeiro/Brasil
  • Stimmung: aufgekratzt! „Rio de Janeiro“ – der Name allein sorgt schon für Stimmung.

Allein die Hafeneinfahrt ist sensationell: vorbei an der Copacabana mitten rein in die Stadt. Das Briefing wird ergänzt durch den Hinweis: Helme mitnehmen – alles klar: wir laufen mit Helmen durch Rio. Wir dürfen sie schließlich am Hafen-Gate zurücklassen und arbeiten uns durch das Tarifsystem von Straßenbahn und Metro. Das ist nicht so einfach, weil es eben neu ist, und nicht nur wir es nicht verstehen, sondern der Rest der Stadt auch nicht – egal, nach einer Stunde sind wir in der Stadt. Wegen der wenigen Stunden die uns hier bleiben, selektieren Dunja und ich eigentlich nur ein Highlight aus dem Angebot der Stadt: die Copacabana. Jeder der schon mal da war, und wir, die noch nie da waren, weiß was uns erwartet: gestählte Männer-, gemachte Frauenkörper, Musik, Beach-Volleyball, Strandbars, Cabrio-Parade an der Rambla, Caipirinha, Sonne, Meer, Strand. Als wir ankommen und aus der Metro auftauchen ist auch alles da, was man nicht wegräumen kann: Sonne, Meer und Strand. Es ist August also Winter. Wir finden eine zur Hälfte geöffnete Strandbar und feiern mit Martina und Walter, dass wir da sind: in Rio! An der Copacabana! Bis gestern hatten wir das nicht auf dem Zettel, nach zwei Caipirinhas liegen wir uns in den Armen und sind: glücklich!!!

Zurück zum Hafen, wir müssen um 1700 (Bühnenfachsprache der Seeleute) an Bord sein, um 1650 ruft mich Alex (der Captain heißt Alexandro) mit erhobener Stimme an: „Where are you?“, „… in the habour captain, we are in 5 min on the vessel“, „You have to be on board at 1700, we are sailing at 1800“, „Yes Captain in 5 min it’s 1655“ – aufgelegt. Alter!

Francesco hat uns abends noch eine Pizza gemacht, wir durften uns morgens schon die Zutaten aussuchen, der Mann ist eine Seele. Bis spät abends stehen wir an der Reling, schauen auf Rio und freuen uns auf den nächsten Landgang in Paranagua. „Sailing“ war dann irgendwann um 2200.


Logbuch der „Grande San Paolo“ vom 25.08.2019:

  • Geschwindigkeit 0,0 kn
  • Position S25°31.769‘/W048°31.102‘
  • Landgang in Paranaguá/Brasil
  • Stimmung: routiniert! Der dritte Landgang in drei Tagen.

Ein Agent fährt uns mit dem Kleinbus in die Stadt, wir müssen zur Immigration, weil wir morgen wieder aus Brasilien ausreisen. Die Fahrt geht durch riesige Industrie- und Förderanlagen für Rohstoffe, die hier gefördert werden. Auch im Hafen liegen ausschließlich gigantische Frachtschiffe für „Schüttgut“.

Der Fahrer ist so nett und bringt uns nach dem etwas langwierigen Ausreise-Procedere in eine Shopping-Mall in der es nichts gibt was wir brauchen könnten, außer ein WLAN-Netz. Wir checken kurz den Stadtplan und schlendern durch Paranaguá in Richtung Rio Itiberê. Wir finden das, was im Reiseführer mit „atmosphere of tropical decadence“ beschrieben wird. Ein mit Mangroven gesäumtes Ufer, schön restaurierte Häuser aus der Kolonialzeit oder die Originale davon, eine sehr entspannte Atmosphäre. Sehr schön und irgendwie so, wie wir uns Brasilien immer vorgestellt haben. Die Zeit reicht noch für ein Caipi-Tasting am Flussufer, man reicht hier 560 cl Einmachgläser mit verschiedenen frisch gepressten Früchten, Caipirinha-Abacaxi (also Ananas) können wir empfehlen.

Eine Stunde später sitzen wir wieder bei Francesco auf Deck 12, essen ein frisch gegrilltes Hähnchen und bekommen die frischen Mangos und eine Schokolade, die heute geladen wurden. Unter uns wird bis spät in die Nacht gearbeitet. Porsche raus, Renault rein. Lokomotiven runter, Bagger rauf.

Irgendwann wachen wir kurz auf, weil unser Stuhl in der Kabine wieder hin und her kippelt, endlich wieder auf See – noch eineinhalb Wochen …..

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