Es läuft…

Endlich Sonne! Wer unseren Solarrechner auf der Startseite verfolgt, erkennt sofort den sprunghaften Anstieg im Ertrag. Wir und die Autobatterie tanken mal richtig auf.

Es geht an der Küste entlang und wir beobachten interessiert die Gepflogenheiten der Menschen hier: wird die Piste schlechter, geht es am Strand weiter. Zunächst nur für die anderen, wir trauen uns nicht und finden es – wie soll man sagen – nicht gut, nicht angebracht, nicht „öko“ vielleicht. Ich frage erst gar nicht nach der Möglichkeit sich hier einfach mal „anzupassen“, nicht jedes Schlagloch zu umfahren, im innersten mit dem Fahrwerk zu leiden und zu wissen wie das Gemüse im Kühlschlank leidet und das Feierabendbier beim Öffnen schäumen wird. Zeit ist auch kein Argument, die Menschen hier müssen zur Arbeit, zum Einkaufen, die haben es eilig – wir sind auf Weltreise, wir haben Zeit. Da kommt von nebenan der knappe Satz: „Lass uns doch auch am Strand fahren“! Okeeey.

Wir sind zu spät dran, nach einem Kilometer das Verbotsschild! Alle quälen sich wieder über die Wellblechpiste – Mist!


Ein täglicher Begleiter sind Szenen wie diese:

Das war übriges Andreza unsere neueste Followerin auf Instagram. Es ist herrlich, überall freundliche Gesichter, überall herzliche Ansprachen, wir verstehen nicht alles bzw. fast nichts, aber ein Daumen nach oben gehört immer dazu und begleitet uns überall. Hätten wir doch nur portugiesisch auf dem Frachter gelernt.

Wir verabschieden uns langsam von der Küste, Kurs NW in Richtung Foz do Iguazu. Auf der Strecke liegt Blumenau. Ein deutscher Apotheker namens Hermann Bruno Otto Blumenau, den nach einem Kontakt mit Alexander von Humboldt die Abenteuerlust gepackt hat, hat sich 1850 hier angesiedelt und gründete die gleichnamige Siedlung. Warum auch immer kamen zahlreiche Franken hierher und brachten bayrisches Brauchtum mit, das bis heute erhalten geblieben ist, bspw. das größte Oktoberfest das außerhalb Münchens gefeiert wird.

Wir finden im Park des Deutsch-Brasilianischen Kulturzentrums Unterschlupf mitten in der Stadt. Herrlich, der Liederkranz singt uns abends in den Schlaf und wir verstehen die Vorbereitungen zu einer Abendveranstaltung als Einladung zum Abendessen. Kein Thema, für solche Fälle sind wir gerüstet, ich pelle mich in ein weißes Hemd, Dunja holt die Abendgarderobe raus. Der Türsteher ist die erste Hürde, er versteht uns nicht. Der nächste Kollege drinnen versteht noch weniger was wir hier wollen und stellt uns der Präsidentin vor, die noch im Nebenraum tagt. Wir sagen unser Verslein von der Weltreise auf und dass wir im Garten campieren. Sie versteht sofort unser Problem und weist den Koch an uns etwas Essen durch die Küchenanlieferung zu reichen.

Hotdog mit Kroketten

Wir ziehen weiter aufs Land (da wo wir hingehören) und schon 30 km hinter Blumenau finden wir, was uns gefällt: Ein kleines Paradies in den Bergen: ein Fischteich mit Ruderboot, wir stehen vor dem Frühstücksraum, bekommen ein Bad und dürfen die Küche benutzen – ist ja auch niemand sonst hier. Unsere Herbergseltern verabschieden sich und wir sitzen hier mit offenem Mund und wundern uns über dieses Vertrauen. Dankeschön.

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