Executive Summary: Frachtschiffreisen

Wir sind oft gefragt worden, warum wir nach Südamerika mit einem Frachtschiff reisen. Vor der Fahrt waren die Argumente reine Hypothesen, gesammelte Infos aus dem Internet oder die Hoffnung, dass es schon nicht so schlimm werden wird. Jetzt, nach der Fahrt, nach 28 Tagen auf der „Grande San Paolo“ können wir auf eigene Erlebnisse zurückblicken und Fakten liefern:

Kohle: Die Vergleichsrechnung hatten wir schon vorher gekannt. Die Alternative zur Frachtschiffreise wäre eine Verschiffung des Autos im Container oder per Ro/Ro gewesen, wir wären geflogen. Der springende Punkt war immer: was machen wir in der Zeit, in der das Auto per Schiff nach Südamerika unterwegs ist. Fliegen wir „hinterher“ oder „voraus“. Beides hat zunächst den Haken, dass Schiffe keine Fahrpläne haben, d.h. eine Woche hin oder her ist nicht plan- oder kalkulierbar. Die Kosten für die Frachschiffreise schon: bei ca. 30 Tagen Reisezeit kostet die Reise ca. 65,- € p.P. für Übernachtung mit Vollpension, der Wagen ca. 2.500, – €. Fertig, wir brauchen keine Hafengebühren, Agenten und sonstige Handling-Gebühren mehr, auf dem Schiff haben wir keinen Euro ausgegeben, für die Landgänge vielleicht 100,- €. Wir glauben: das Haus einen Monat länger zu mieten, oder einen Monat in Montevideo zu verbringen + der Flug dorthin wären nicht günstiger gewesen.

Handling: Einfacher geht es nicht. Wir sind mit unserem Auto in Hamburg aufs Schiff und in Montevideo wieder runtergefahren. Keine Hafengebühren in HH oder Montevideo, keine Agenten, Speditionen oder Zoll- und Standgebühren. Keine Kommunikationsschwierigkeiten über irgendwelche Sprachbarrieren hinweg.

HSEQ Hinweise im Hafen

Sämtliche Ein- und Ausreiseprozeduren in den Häfen bzw. Ländern durch die wir gereist sind wurden auf dem Schiff und von der Crew erledigt, auch im Zielland Uruguay, dort mussten wir nur noch zum Zoll um die Papiere für das Auto zu bekommen. Die Landgänge waren insofern unkritisch und wir hatten immer die passenden Papiere zur Hand um die Häfen zu verlassen.

Es gab weder bei der Ein- noch bei der Ausschiffung Kontrollen des Fahrzeugs oder dessen Inhalt.

Sicherheit: Unsere Autos standen „gesammelt“ im Schiff auf Deck 6, um uns herum die Fahrzeuge anderer Overlander, die ihr Fahrzeug alleine losgeschickt haben. Die Fahrzeuge waren alle penibel versiegelt und verschlossen. Wir selbst konnten jederzeit, allerdings mit Begleitung eines Kadetten, zu unseren Autos. Spannend sind natürlich jeweils die Liegezeiten in den Häfen, wenn aus- und eingeladen wird. Die Wohn- und Arbeitsbereiche des Schiffs sind während dieser Zeit komplett verriegelt, da kommt man wirklich nicht durch. In den Ladedecks herrscht dann Hochbetrieb.

Die Overlander auf Deck 6 🙂

Es gab in den verschiedenen Häfen unterschiedliche Konzepte wie be- und entladen wird. Man muss wissen, dass Liegezeiten enorm viel Geld kosten, da wird wirklich unter Volldampf gearbeitet. Ein Auto aus dem Schiff zu holen, zu röntgen, und auf eine Logistikfläche im Hafen zu verbringen und zum Schiff zurückzukehren dauert für einen Fahrer vielleicht 15 Minuten. 2.000 Autos in möglichst kurzer Zeit aus einem Schiff zu holen, wird also mit dem Chinesen-Prinzip angegangen: viele Hände schaffen schnell ein Ende. Wir haben zwei Methoden erkennen können: entweder gibt es ein festes Team, das im Schiff die Autos bewegt und an der Rampe an ein anderes Team übergibt, das die Autos weiter im Hafen bewegt. Die Leute im Schiff sind registriert und vorher durchgecheckt. Die andere Variante läuft mit einem Team, das sowohl im Schiff als auch im Hafen die Autos bewegt. In beiden Fällen werden die Leute jeweils in Mini-Bussen im Schiff zu den Einsatzstellen gebracht, es läuft niemand frei herum, das ist Akkordarbeit von Dienstleistern im Hafen. Die Häfen selbst sind im Prinzip ebenfalls streng gesichert, wir selbst mussten sowohl beim Verlassen als auch beim Eintritt in die Häfen einen Sicherheits-Parcours mit Gepäckkontrolle und abtasten Handdetektoren etc. durchlaufen. Will sagen: es ist schwer vorstellbar wie jemand unbemerkt an Fahrzeugen manipulieren und dann auch noch Gegenstände vom Schiff und aus dem Hafen schaffen kann, der Crew selbst würden wir das auch nicht zutrauen.

So viel sind ungefähr 2.000 Autos!

Dazu noch folgende Info: Grimaldi haftet in keinem Fall für irgendetwas, für keine Transport-Schäden, für keinen Diebstahl, nicht für den Inhalt und auch nicht für den Totalverlust der transportierten Ladung. Seabridge vermittelt zwar eine Transportversicherung, die Prämie beträgt 1 % des Fahrzeugwerts, die Versicherungsbedingungen und die Ausschlüsse für den Inhalt des Fahrzeugs haben uns aber nicht überzeugt, bzw. waren unklar. Wir haben uns für eine Transportversicherung bei der „Mannheimer“ entschieden, die allerdings nur über spezialisierte Makler abgeschlossen werden kann, z.B. Schirmer Assekuranz. Es gibt unterschiedliche Deckungsumfänge, in Summe war die Prämie jedoch deutlich günstiger als eine Versicherung über Seabridge.

Unterbringung/Freizeitbeschäftigung/ etc.: dazu gibt es ja umfangreiches Material im Netz, wir können das nur durch ein paar Beiträge in unserem Blog ergänzen. Wir hatten in vielerlei Hinsicht großes Glück: auf der langen Passage zwischen Europa und Südamerika hatten wir durchgehend bestes Wetter. Wir hatten einen begnadeten Koch, das Essen war ein Traum und immer hervorragend. Und: Gruppenreisen können bei passender Zusammensetzung ja auch anstrengend werden: wir hatten wirklich sehr nette Mitreisende!

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