Im Dschungelcamp
Im Dschungelcamp

Im Dschungelcamp

Wir können euch vermutlich nichts Aufregendes berichten aus den letzten beiden Wochen, wir waren 3 Tage im Dschungelcamp, aber jeder von euch kennt das ja aus dem Fernsehen: Man hat die beste Zeit des Lebens schon hinter sich, liegt den ganzen Tag in der Hängematte und muss irgendwie mit sich, den anderen, und der gruseligen Umgebung klarkommen.

Unser Ziel ist der Madidi Nationalpark ganz im Norden Boliviens. Wir haben lange damit gehadert den beschwerlichen Weg auf uns zu nehmen, vor allem weil es eine 500 km lange Sackgasse ist, die wir dann 2 x fahren müssen. Egal: alle Bolivianer haben uns davon vorgeschwärmt in die Ausläufer des Amazonas vorzudringen. Wir freuen uns auf die dicke Luft fast auf Meereshöhe, auf die Wärme und natürlich die Flora und Fauna dort und verlassen La Paz in Richtung Norden. Weil es auf dem Weg liegt, nehmen wir nochmal die Death-Road, diesmal nach unten. Wegen dem dort lokal geltenden Linksverkehr ein besonderer Leckerbissen: wir dürfen auf die Hangseite ausweichen bei Gegenverkehr.


Nach zwei Tagen erreichen wir Rurrenabaque, ein kleines Städtchen fast am Ende Boliviens, das als Absprungbasis für die Dschungeltouren touristisch ausgebaut wurde. Nach einer Runde durch die Stadt und nach dem Check-In bei unserer Agentur fragen wir uns wieder was wir falsch gemacht haben: wir sind nämlich die einzigen Touristen hier.

Aus den vielen Dschungelcamp Serien die wir nicht gesehen haben wissen wir, dass wir einer wochenlangen Grusel-Erfahrung nicht gewachsen sind und entscheiden uns für eine 3-Tagestour auf die Madidi-Eco-Lodge, die man nach einer 3,5-stündigen Bootstour erreicht. Wir machen vor der Dschungel-Tour noch ein Stopp-Over im örtlichen Freibad und sortieren dort unser Urwald-Equipment bevor es am nächsten Tag auf die Eco-Lodge geht. Zur Einstimmung überfallen uns dort bereits mehrere, und aufgrund der fehlenden Touristen, extrem ausgehungerte Moskitoschwärme und mit mehreren Dutzend Stichen sind wir am nächsten Tag bereits gut eingestimmt auf den Dschungel in dem es noch mehr davon geben soll.

Mit uns im Boot sitzen unser Guide Alexandro, die Köchin Nanci, ein Facility-Manager (früher: Hausmeister) und natürlich der Bootsmann am Außenborder. Der Lodgebetrieb wird im Prinzip nur wegen uns für drei Tage hoch- und danach wieder runtergefahren. Anders als im echten Dschungelcamp von RTL müssen wir den ganzen Zirkus selber bezahlen und haben uns in Unkenntnis der Besucherzahlen für das günstigste Paket entschieden mit einfacher Cabana und „shared bathroom“. Vor Ort gönnt sich zunächst die Crew ein Upgrade und zieht dort ein, wir bekommen Cabana Nr. 1 mit Doppelbett und „private bathroom“ – sehr schön!

Der Urwald und die Lodge empfangen uns nach dem luftigen Bootstrip mit stehender Luft, 40 ° Lufttemperatur und 100% Luftfeuchte. Und weil wir uns für eine „Eco“-Lodge entschieden haben, gibt es keinen Strom und somit weder einen Luftquirl noch kalte Getränke.

Das Programm besteht im Wesentlichen aus stundenlangen Fußmärschen durch den Urwald mit unserem Guide, der für uns allerhand Neues zu seiner Heimat berichten und zeigen kann. In dieser Umgebung und seinen unmenschlichen Bedingungen eine echte Qual. Schon nach dem Einkleiden in einigermaßen moskitofeste Klamotten und der gegenseitigen Dusche mit Mückenrepellent steht man schon im eigenen Saft und will das Cabana eigentlich nicht mehr verlassen. Nach der Rückkehr von den 3- bis vier-stündigen Fußmärschen will man dann eigentlich raus aus dem Dschungel. Was uns hält ist Nanci unsere Köchin! Sie zaubert für uns von morgens bis abends in der Küche und serviert beste bolivianische Küche aus der zur Lodge gehörenden Gemüse- und Obst-Plantage und dem was sie in Rurrenabaque auf dem Markt gekauft hat.

Die beiden Nächte beginnen für uns direkt nach dem Dinner, wir schlafen ein mit der berühmten Dschungel-Symphonie aus Affengebrüll, Zikaden-Operetten und dem Geraschel auf und unter unserer Hütte. Dunja zählt zum Einschlafen Mückenstiche statt Schäfchen und ich träume von einem kalten Bier.

Summa summarum waren es lehrreiche Tage für uns, nicht nur wegen der unwirtlichen Umgebung, die nach der Lodge beginnt und in der wir eigentlich nichts zu suchen haben. Wir dürfen unseren Guide keine Sekunde aus den Augen verlieren, weil nach wenigen Metern alles im Dickicht verschwindet und die Geräuschkulisse alles verschlingt. Auch hier an den Ausläufern des Amazonas ist der Klimawandel spür- und erkennbar. Unser Guide, dessen Familie hier im Nationalpark seit Generationen lebt und nun nur noch geduldet wird, konnte eindringlich darüber berichten was passiert, wenn die letzten indigenen Stämme nicht mehr hier leben dürfen: die Ausbeutung der letzten Urwälder schreitet dann ungehindert weiter!

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.