Patagonien – das Andere

El Calafate verlassen wir am 03.01.2020 und machen uns auf zur laut Reiseführer „Boomtown des Naturtourismus“: El Chaltén. Die Siedlung gibt es erst seit 1985 und es scheint, sie wäre nur für die Anhänger dieser Art von Tourismus errichtet. Niemand würde sonst auf die Idee kommen sich hier wirklich niederzulassen, weil kein Mensch sein Haus in diesen Windkanal bauen würde. Hier gehört es zur Kulisse des Eco-Tourismus in die Windachse eine Straße zu pflastern, links und rechts ein paar Bretterbuden mit „Cervezerias“, „B&B´s“ (in diesem Fall: Beer and Burgers) und Hostels zu bauen. In zweiter Reihe versuchen Biwaks mit Iglu-Zelten dem Wind zu trotzen und es sieht aus wie im Basislager des Mount-Everest. Es fehlt noch der Schnee, aber statt Sauerstoffflaschen liegen schon mal die Bierflaschen herum. Mannmannmann Greta Thunberg hätte hier einiges zu besprechen.

Leben im Windkanal: El Chaltén

Wir landen auf einem Campingplatz wie mit einem Mondfahrzeug (hier fliegt man her und kommt dann mit dem Bus – also quasi zu Fuß), heben den Altersdurchschnitt signifikant an und kochen mit den anderen in der Gemeinschaftsküche, Gott sei Dank sieht uns keiner und/oder spricht uns an, es gibt WLAN und da sind alle hochkonzentriert.

El Chaltén ist der Einstieg zu den Touren zum Fitz Roy Massiv (3.405 m üNN) und weil wir schon mal da sind machen wir eine Tour zur Laguna Capri, ein 6 Stunden Trip mit immer wieder faszinierenden Blicken auf den Fitz Roy und die Gletscher die sich nach unten schieben. Leider bekommen wir nie alles zu sehen, die Wolken hängen tief. Danach: nichts wie weg, wir rechtfertigen uns mehrfach, warum wir keine Tramper mitnehmen können und verlassen die windige „Boomtown“.

Es geht weiter auf der Ruta 40, der legendären Panamericana und biegen gleich wieder ab um mal wieder ein bisschen Natur zu sehen. Wir verbringen zwei Nächte am Lago Posadas, verfransen uns am Ufer des Sees, weil die Wege überschwemmt sind, kreuzen ein paar Zuflüsse und waren kurz vor dem Umdrehen, als wir ein paar Scheinwerfer am Horizont sehen die uns wieder auf die richtige Spur führen. Unser Herbergsvater erklärt uns später den Weg zur chilenischen Grenze über den Paso Roballos, malt alles auf ein Post-It und nach 4 Stunden wildem Ritt durch die Berge stehen wir vor einem Grenzhäuschen. Die Argentinier verabschieden uns per Handschlag und der chilenische Grenzposten in seiner Holzhütte eine Stunde später begrüßt uns per Handschlag – sehr nett.

Wir sind jetzt auf der Carretera Austral, der Ruta CH-7. Sie führt durch grandiose Landschaften und sie wird uns die nächsten Tage begeistern, die ersten 200 km waren, abgesehen von dem gnadenlosen Ripio, schon vielversprechend und am Wegesrand haben wir heute die Marmorhöhlen in Puerto Rio Tranquilo gefunden. Ein Filmchen, unter Bloggern auch Vlog genannt:

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