Adios Paraguay, wir sind in Argentinien

Es ist heiß in Paraguay. Tagsüber sowieso und nachts ist es nicht viel besser. Aus einem Stop-Over in Hohenau wird fast eine ganze Woche und wir verkriechen uns unter den schattigen Bäumen eines Freibads. Dunja genießt den Pool und ich genieße, dass es Dunja so gut geht. Es gibt WLAN mit richtig Druck und wir entdecken Podcast’s als eine gute Möglichkeit unsere Wissens-Lücken zum aktuellen Nachrichtenstand zu schließen oder Berichten und Dokumentationen über Südamerika zu lauschen.
Einen Nachmittag opfern wir dem UNESCO-Weltkulturerbe der umliegenden Ruinen ehemaliger Jesuitenklöster, sind aber auch aufgrund der Hitze nicht richtig motiviert und/oder aufnahmefähig. Wir wundern uns über die Höhe der Eintrittspreise, die fehlenden Infos auf Englisch (UNESCO) und haken das Thema unter „kann man machen, muss man aber nicht“ ab und fahren wieder in unser Freibad.

Am Abend vor der Weiterfahrt treffen wir die Entscheidung Paraguay nun doch über den nahegelegenen Grenzübergang zu verlassen. Wir verzichten auf die Schleife über Acuncion zugunsten des Nationalparks Iberá auf Argentinischer Seite. Es gibt zwei Möglichkeiten zur Einreise und wir entscheiden uns für den weniger frequentierten Übergang mit einer kleinen Grenzstation in Paraguay, einer Fähre über den Rio Parana und wiederum einer kleinen Grenzstation in Argentinien. Der Arbeitstakt für alle Beteiligten richtet sich hier nach dem Fahrplan der Fähre (Pendelverkehr bei 30 Minuten Fahrzeit für maximal 4 Autos) und ist eher auf den kleinen Grenzverkehr der Einheimischen ausgelegt. Das merken wir, als wir um 12:00 Uhr ankommen, die 2 Stunden Mittagspause des Ferry-Man abwarten, dann um halb drei in Argentinien ankommen und die Dame vom Zoll in die Verlegenheit bringen ihren Rechner hochzufahren. 30 schweißtreibende Minuten dauert es bis ich eine alt bekannte Melodie höre: Die Start-Schalmei von Windows 95 versetzt mich kurz zurück in Studienzeiten, als das hochfahren eines PC’s noch den gleichen Nervenkitzel bereitete wie hier beim Zoll.

Der Nationalpark Iberá begrüßt uns mit Regen und wir freuen uns ausnahmsweise darüber, da es deutlich abkühlt. Gemeinsam mit einem argentinischen Rentnerpärchen geht es per Boot in die Sümpfe und rund um die schwimmenden Inseln des Nationalparks – wie immer ein grandioses Erlebnis, wir erweitern unsere Liste „gesichtetes Wildlife“ (Link Beitrag „100 Tage“) um Wasserhirsche, Wildschweine, schwarze Kaimane und Buntes aus der Vogelwelt (Namen tun nichts zur Sache).

Ab hier wollen wir zügig auf die Halbinsel Valdés und legen ein paar Fahrtage ein um Kilometer zu fressen. Es geht Richtung Süden, entlang am Rio Uruguay über Buenos Aires weiter Richtung Atlantik. Buenos Aires lassen wir links liegen mangels Lust uns dort ein Hotel zu suchen. Wir nehmen aber den Weg durch die Stadt um wenigstes dort gewesen zu sein. Auf der 6-spurigen Stadtautobahn dann plötzlich wildes Hupen und Gestikulieren neben uns, ein ungewöhnliches Geräusch vom Dachgarten kurz vorher und ein kurzer Stopp bei der nächsten Ausfahrt bestätigt meine Befürchtung: wir haben unsere Waschmaschine verloren. Wir heizen zurück, sehen noch einen Typen, der unsere Waschtrommel eingesammelt hat, hupen und winken (Er sieht uns!!!), bis wir aber bei der nächsten Ausfahrt wieder wenden können ist der natürlich weg – ärgerlich.

Am gleichen Tag müssen wir bei einem Polizei-Checkpoint unsere Rettungswesten und den Verbandskasten vorführen und – Achtung: unseren Feuerlöscher! Um das Bild zu vervollständigen nur so viel: hier fahren Autos durch die Kontrolle, die haben nicht eine Lampe und/oder Auspuff am Fahrzeug, auf den 4 unterschiedlichen bereiften Felgen sieht man die Karkasse statt irgendein Profil etc. pp. Egal, der Beamte hat Recht: der Aufkleber auf unserem Feuerlöscher verrät, dass er letztes Jahr nicht überprüft wurde. Ich werde in die Polizeistation gebeten und zwei Uniformierte reden unablässig auf mich ein, es hört sich für mich als Fremdsprachler bedrohlich an, ich verstehe aber kein Wort. Der Redeschwall fordert meine ganze Konzentration, so dass die Erkenntnis, was hier eigentlich los ist erst später durchsickert und mit dem Auftritt von Dunja in dem Büro zur Gewissheit wird: Die Jungs haben in der Ausbildung nicht richtig aufgepasst. Dunja und ich lesen uns gegenseitig die Einträge in iOverlander vor, die sich im Wesentlichen mit den Worten „Korruption“, „korrupte Beamte“ etc. zusammenfassen lassen. Irgendwann werden wir gebeten zu verschwinden – Lausbuben. Vielleicht ist es ja gut nun einmal die Ausnahme von der Regel selber kennengelernt zu haben. Nach unzähligen völlig korrekten Militär-, Zoll-, Veterinär- und Polizei-Check-Points und schon 7 Grenzübertritten wird das hoffentlich die Ausnahme bleiben.

Auf der Strecke bis Valdés liegen weder landschaftlich noch kulturell weitere Highlights, wir übernachten einmal bei der weltweit größten Loro-Papageien Kolonie, hier schreien uns bis nachts um 10 und morgens ab 5 ca. 35.000 Papageien an, weil sie hier gerade ihre Jungen aufziehen und ein anders mal an einem einsamen Strand, der Abends unsere Herzen mit Romantik erfüllt und über den Nachts ein Sturm fegt, so dass wir das Dach schließen müssen und Morgens, als wir den Zirkuswagen wieder einpacken, ein kostenloses Ganzkörperpeeling erhalten.

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