Dunja hat jetzt Corona
Dunja hat jetzt Corona

Dunja hat jetzt Corona

Es gibt sie, die Profiteure einer weltweiten Krise. Einer davon ist: Dunja! Aber der Reihe nach.

Natürlich haben wir in den letzten Wochen die Ereignisse in Europa verfolgt. Wir haben gelesen, gehört und gesehen wie sich die Sache erst langsam und dann rasant entwickelt hat. Erst war es für uns weit weg und dann ganz nah, als ihr uns erzählt habt wie ein Virus jeden Tag näherkommt und Einfluss auf das tägliche Leben nimmt. Und: wir haben uns nicht wohl gefühlt bei dem Gedanken wie viel Einschränkungen es für euch alle bedeutet, während wir hier die Zeit genießen und von unvergesslichen Erlebnissen berichten. Damit wird nicht Schluss sein, aber es wird anders. Und „unvergesslich“ wird diese Corona-Krise für alle bleiben, hier und bei euch.

Im Rückblick hatten wir Glück: wir sind letzte Wochen noch schnell nach Bolivien geschlüpft und waren zunächst in Tupiza und Potosí. Potosí mussten wir im letzten Jahr auslassen als vor den Wahlen die Stadt fast 4 Wochen von Demonstranten abgeriegelt wurde. Über Potosí gibt es nicht so viel zu erzählen, die Stadt ist riesig, liegt auf über 4.000 m üNN und lebt von den umliegenden Minen in denen Silber und Zinn abgebaut wird. Es gibt touristische Angebote die Minen zu besichtigen und dort zu bestaunen unter welchen unmenschlichen Bedingungen dort noch heute gearbeitet wird. Wir verzichten darauf, da wir ohnehin ein anderes Programm haben: wir wollen unseren Herbergsvater aus Tupiza im Gefängnis besuchen und mit Essen und Getränken versorgen. Er wurde dort „eingelocht“ wegen einem gescheiterten Immobilenverkauf und mutmaßlichen Zahlungsverzügen. Besser als „eingelocht“ lässt es sich nicht beschreiben, wir sehen Dinge hinter den Mauern die nicht zu beschreiben sind, und wir sehen einen gebrochenen Mann, der uns im letzten Jahr noch geholfen hat uns in Bolivien zurechtzufinden, seine Kleinbrauerei gezeigt und bei der Werkstattsuche unterstützt hat. Der mit viel Liebe ein altes Herrenhaus aus der Kolonialzeit hergerichtet und mit ebenso viel Liebe dort Gäste betreut hat und dessen hochschwangere Frau nicht weiß wie es weitergehen soll. Wir sind geplättet und verlassen die Stadt.

Wir landen in Sucre und ab jetzt ist alles anders. Es gibt den ersten bestätigten Corona-Fall und die Reaktion der Behörden erfolgt prompt: es ist alles das was in Europa am Ende einer monatelangen Entwicklung stand. Es gibt zwei Unterschiede: eine Ausgangssperre von 16:00 bis 08:00 Uhr und es gibt Klopapier. Eigentlich gibt es alles außer Hamster. Klar ist: unsere Reise findet hier ein Ende auf unbestimmte Zeit, die Grenzen sind zu, Campingplätze und Hotels schließen und wir werden hier in unserem Hinterhof festsitzen. Gemeinsam mit Jenni und Simion stehen wir hier seit einer Woche und machen Pläne für die Tage die hier vor uns liegen. Wir warten auf den Lagerkoller und trösten uns mit der wirklich guten Situation in der wir hier sind: wir haben Strom, W-Lan, eine Küche, einen Aufenthaltsraum und Gastgeber, die sich rührend um uns kümmern und informieren. Wir chatten mit den Reisenden die wir kennengelernt haben und die nun alle irgendwo festsitzen, die nach Hause müssen und/oder wollen und nicht können.

Wir fühlen uns wohl hinter den hohen Mauern und wir werden beobachtet: von Corona. So haben wir sie getauft die Katze, die uns wie das Virus seit Tagen umzingelt. Sie schleicht über die Mauern findet aber keinen Weg zu uns. Dunja´s unermüdlichem Pfeifen und Locken sei Dank haben wir nun auch noch ein Haustier auf unserem Platz – Corona kommt nicht mehr raus und Dunja und Simion sind in ihrem Element: Katzenfutter, Entwurmungskur, überall Schälchen mit Wasser und Delikatessen, seit gestern weiß ich: es wird schlimm, wenn wir wieder fahren können, aber im Moment profitieren Dunja, Simion und die Katze von der Krise, gute Nachrichten also aus Bolivien.

Wie geht es weiter? Keine Ahnung. Wir haben uns in die Krisenvorsorgeliste eingetragen, der Botschafter in La Paz informiert uns, macht uns aber wenig Hoffnung, dass wir in den Genuss des Rückholprogramms des Außenministeriums kommen. Wir haben gar nicht danach gefragt, freuen uns aber, als wir erfahren, dass nun alle „All-inclusive“ Gäste aus den Robinson-Clubs dieser Welt, wo sie sich in Pools und Bars mit Ihren internationalen Genossen gesuhlt haben wieder in Deutschland verteilt werden.

Wir bleiben hier und wünschen allen: passt auf euch auf bleibt gesund!

15 Kommentare

  1. Petra + Dietrich

    … und ich hatte vor einigen Tagen noch gedacht: wären wir doch nur in Südamerika geblieben! Da haben wir mit unserem Rückflug am 4. März doch nachträglich echt Glück gehabt. Das Auto steht zunächst wohlbehalten in Uruguay. Wir drücken Euch ganz feste die Daumen, bleibt gesund. Es wird eine Lösung geben – irgendwie geht es immer weiter und manchmal sind das die „echt“ interessanten Wege, die das Leben vorsieht. Grüße von WI an OF, Petra und Dietrich

  2. Detlef

    Hallo Ihr Lieben,

    auch wenn Ihr gerade nicht weiterkommt, so seid Ihr beiden vermutlich derzeit aber in der Lage Euch vor Ansteckung zu schützen. Wir sind jetzt seit einer Woche im Homeoffice und ich bin mittlerweile fassungslos, mit welchem Egoismus, fehlender Intelligenz und Ignoranz vor allem junge Menschen in Gruppen unterwegs sind, und sich einen Scheißdreck um den Virus kümmern. Es erinnert an Weltuntergangs-Filme, in denen Menschen gewarnt werden, und viele alles ignorieren und alles dadurch viel schlimmer werden wird. Seit heute erlebe ich Anstellen vor dem Supermarkt , Idioten die sich für 6 Monate eindecken mit allem Kram, den man im Leben eigentlich gar nicht benötigt.
    Yanick geht es derzeit noch gut. Wir haben die gesamte WG seit Freitag für alle gesperrt. Wenn der Pflegedienst durch Corona ausfällt, müssen wir weiter übernehmen. Solange bleiben wir der WG fern.
    In Italien sind heute alleine 500 Tote zu verzeichnen, und Deutschland steht jetzt bei über 12.000 Infizierten. Vor weniger als 14 Tagen lag Deutschland bei 1 Infizierten! Wir haben viele Bekannte im Klinikbereich. Es ist keine Panik, sondern unausweichlich, dass wir an die Grenzen des Gesundheitswesens kommen werden. Derzeit 28.000 Intensivplätze sollen verdoppelt werden. Man rechnet in Summe aber mit über 1.000.000 Intensivpatienten. Ich möchte nicht in der Lage der Ärzte und Pflegeteams stecken, wenn sie entscheiden, wer das nächste freie Beatmungsgerät bekommt. Wir haben bereits drei Ersatzgeräte aus unserer WG den Krankenhäusern zur Verfügung gestellt. Yanick wird es bei seiner Vorerkrankungen vermutlich schwer haben, den Virus zu überwinden. Claudia ist seit Donnerstag erkrankt. Es ist aber unklar woran. Alles passt zum Virus, aber es gibt keine Überprüfung, da Tests nicht zu bekommen sind.

    Hey Ihr Lieben, bleibt auf jeden Fall so lange wie möglich dort wo ihr seid. In Europa haben wir nur eine Chance, wenn wir die Ansteckungsfälle reduzieren und über die Zeit strecken können. Man geht davon aus, dass 70% der Deutschen Bevölkerung sich anstecken wird, also versuchen wir uns und andere zu schützen.

    Bleibt möglichst lange gesund und fühlt Euch herzlich aus der Ferne gedrückt!

    Claudia und Dedi

  3. Tina Sehling

    Ganz viele Grüsse aus Luxemburg!
    hab gerade Euren Blog gelesen und das Ihr zur Zeit “ fest“ sitzt.
    Wir planen gerade unsere Reise von Anchorage – Ushuaia für nächstes Jahr mit einem Oldtimer, Baujahr 1955.
    Sehr spannend wie das alles bei Euch und hier weitergeht…..
    Alles Gute für Euch!!!
    Tina & Marc

  4. Dirk Neubacher

    Herzliche Grüße aus der Hauptstadt, die sich trotz einigen unvermeidlichen Ignoranten ziemlich und nicht erwartet entspannt. Bleibt es auch und vor allem gesund!!! Zur Vermeidung des Lagerkollers werde ich verstärkt nach „geeigneten“ kurzweiligen Videos etc. Ausschau halten . Liebe Grüße Dirk N.

  5. Fred Fischer

    Hola ihr 2, hier in Bayern wird’s zwar als letzes Bundesland immer lockerer , aber lästig und eingeengt (Motorrad und so) fehlt schon tierisch. Leider hört man hierzulande nix über die Verhältnisse in Südamerika, aber ihr schreibt ja News in euren Blog. Was soll man sonst auch tun im geschlossenen .Bolivien Also bitte feste informieren was so abgeht bei euch. Bis bald und schöne Grüße aus Deuringen. Die Fischers

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